DER TAG

WAS WIR VON UNS SELBST AKZEPTIEREN

Licht
   Jesus im Licht  –  S. Prassede, Rom

Tagsüber sind wir, dass was wir zu sein glauben, das was wir von uns selbst denjenigen zeigen möchten, die um uns sind. Wir sind das, was wir von uns selbst akzeptieren, denn nur dass sind wir bereit zu zeigen. Wir sind aktiv und treffen Entscheidungen. Wir sind rational und streben Lösungen an. Wir sind materialistisch. Es gibt Probleme und sie können auf logische, lineare und materielle Art und Weise gelöst werden. Dies ist Grund für Freude und Zufriedenheit. In der Seele gibt es weder Zweifel noch Unordnung.

Man geht durch die Felder, man sammelt Früchte und bestellt die Felder neu. Man zieht tagsüber um, denn es müssen Möbel transportiert werden. Dinge müssen erledigt werden und immer sehr Vieles muss zu Ende gebracht werden. Gearbeitet wird tagsüber. Man spricht mit Leuten, man trifft Vereinbarungen, man gibt Informationen weiter. Tagsüber geht man in die Schule.

Tagsüber ist alles beleuchtet und wir sehen, wohin wir unsere Füße setzen.

 

DIE NACHT

DIE NACHT BESTEHT AUS SCHATTEN

Die Nacht besteht aus Schatten. Unsere Augen gewöhnen sich erst langsam an die Nacht, bevor sie diese erkennen. Wir sehen nicht, wohin wir unsere Füße setzen, doch im Dunkeln nehmen wir das Gewicht unserer körperlichen Anwesenheit wahr, unsere Bewegungen werden ein Sich Ausbreiten in der Dichte der Dunkelheit. Die Dunkelheit, eine dichte Masse die alle Gegenstände miteinander verbindet. Wir bewegen uns langsam darin und umarmen dabei alles. Ein Blick mit halb verschlossenen Augen versucht zuerst zu verstehen und erkennt dann unterschiedliche Aspekte der Realität vor sich: inzwischen handelt es sich nicht mehr um voneinander getrennte Gegenstände.

Die einzige Lichtquelle ist der phasenweise nicht sichtbare Sonnenstrahl, der sich auf der Mondoberfläche bricht. Licht sehen ohne davon beleuchtet zu werden.
Den eigenen Schatten im Mondeslicht sehen! Das ist die Nacht.

Unsere Seele breitet sich über unseren Körper hinaus. Verlängert nehmen wir alles wahr.

Diese Offenheit bringt Monster und Dämonen unserer verborgensten Seele zum Vorschein. Kopfüber in das dickflüssige Dunkel gelangen, hineingleiten und sich davon durchdringen lassen.

Die Nacht kennen lernen, um den Tag besser zu sehen.

Die Morgendämmerung erwacht immer früher.

 

DER TAG    

IMMER LEUCHTENDER

Nach einer nachtgewesenen Nacht und einer neugeborenen Morgendämmerung wird der Tag immer leuchtender. Erst dann fangen auch wir an zu leuchten.

In der Kirche von St. Prassede in Rom ist das Gesicht Jesu in ein Mosaik gesetzt und an eine Stelle angebracht worden, wo es von Öffnungen aus allen Richtungen, von den Seiten, von oben und aus der gegenüberliegenden Wand, beleuchtet wird.

Wir selbst können Licht werden und alles zum Leuchten bringen. Ein neuer Tag.

 

Die Seminarreihe WortKlangKörper widmet sich Erfahrungen, die nachts sowie tagsüber gemacht werden können. Mit Odysseus dichten, Poetischer Herbst, Poesie und Sinne, Poesie und Ritual, Wort Ritual Baum.
Wir werden uns selbst bei Licht, im Dunkeln und wieder bei Licht erfahren.